Prozessbegleitung an der Grundschule Adensen

Unsere Grundschule in Adensen-Hallerburg – unterwegs mit  Kopf, Herz und Hand! 

Wer wir sind, was wir wollen und was wir noch brauchen

Susanne Lilje, Schulleiterin:

Wir sind eine lebendige kleine Schule in privater Trägerschaft des Christlichen Jugenddorfwerks Deutschland gemeinnütziger Verein e. V. (CJD) in einem Schulgebäude aus dem 19. Jahrhundert mitten in dem Dorf Adensen in der Nähe von Nordstemmen (Niedersachsen). Als die Schule seinerzeit vom Schulträger geschlossen wurde, gründete sich ein Förderverein, der sich engagiert für den Erhalt der Schule einsetzte. Der Verein kaufte das Schulgebäude und gewann das CJD als Schulträger. Schon ein Jahr nach der Schulschließung starteten wir 2013 mit unserer neuen Schule.
Natürlich gab es Anfangsschwierigkeiten, aber die haben wir bewältigt! Mittlerweile sind wir ein Team aus sieben Lehrkräften, acht Schulbegleiter*innen, einer pädagogisch geschulten Mitarbeiterin für die Mittagsbetreuung und drei jungen Menschen, die im Rahmen ihres Freiwilligen Sozialen Jahres bei uns tätig sind. Ich bin Schulleiterin und zugleich Förderschullehrerin; ein Kollege ist ebenfalls Sonderpädagoge. Gegenwärtig besuchen sechsundsiebzig Kinder unsere Schule, von denen zehn unterschiedliche sonderpädagogische Unterstützungsbedarfe haben. „Keiner darf verloren gehen“ lautet ein Leitsatz des CJD, den wir sehr ernst nehmen. Dies gilt gleichermaßen für das gesamte Kollegium wie vor allem für unsere Kinder. Alle möchten wir in ihren Lernwegen unterstützen. Inklusion bedeutet somit für uns eine Öffnung hin zur Vielfalt.

„Gemeinsam in die Inklusion“ ist unsere Leitidee, der wir mit allen Kräften folgen. Inklusion verstehen wir als Weiterentwicklung unserer Schule in den Bereichen Unterricht, Erziehung und Bildung, Schulklima und Zusammenarbeit mit Erziehungsberechtigten. Mit der SchiLf Akademie haben wir eine erfahrene Einrichtung an der Seite, die uns bei unserer inklusiven Schulentwicklung mit fachkundiger Expertise und Fachleuten professionell und nachhaltig begleitet. Bei der Inklusion sind wir alle keine Anfänger*innen, im Gegenteil. Doch unsere Schule umfassend inklusiv weiterzuentwickeln, fordert uns heraus, neue Schritte zu wagen. Wir vertiefen Bewährtes, bringen Neues auf den Weg und weichen Schwierigkeiten nicht aus. Bei allem Respekt vor unseren eigenen Erfahrungen und Kompetenzen: Manches ist so neu und schwierig, dass wir die angebotene Beratung und Fortbildung sehr gerne annehmen und nutzen.
Wir sind erfahrene Pädagog*innen und möchten unsere inklusive Praxis entscheidend von den Bedürfnissen der Kinder her entwickeln und leben. Unsere Grundschule soll die Kinder mit guten Fähigkeiten auf ihr künftiges Leben ausstatten und sie zuversichtlich in die Zukunft blicken lassen. Die Eltern unserer Schüler*innen freuen sich über die Geborgenheit ihrer Kinder in unserer Schule in einer Atmosphäre von Vertrauen und Aufgehobensein. Sie freuen sich darüber, dass ihre Kinder wertgeschätzt und individuell wahrgenommen werden. Kollegium, Eltern und der Förderverein arbeiten eng zusammen, um dieses Schulklima, diesen „Geist“ unserer Schule zu vertiefen, zu sichern und zu leben.
Wir sind ein engagiertes und kompetentes Kollegium und dennoch erleben wir, wie hilfreich Fortbildung, Beratung und Unterstützung „von außen“ sind – und die möchten wir auch weiterhin nutzen. Entscheidend sind aber letztlich unsere neugierigen, fröhlichen und lebenslustigen Kinder, die gern in unsere Schule gehen und deren Eltern gemeinsam mit uns, dem Kollegium, dazu beitragen, dass die Kinder bei uns alles lernen und bekommen können, was sie wirklich für ihr Leben brauchen.

 

Botho Priebe, Schulberater:

Als mich die SchiLf Akademie vor einem Jahr fragte, ob ich zur begleitenden Beratung und Fortbildung einer kleinen Grundschule in Niedersachsen bereit sei, die sich auf den Weg „inklusiver Schulentwicklung“ gemacht hat, sagte ich nach einigem Zögern zu. Eine kleine Grundschule auf dem Land? Das hörte sich ein wenig „abseitig“ und vielleicht sogar ein wenig „rückständig“ an. Ich vereinbarte einen Besuch in der Schule „um mal zu gucken ...“.
Ich fuhr nach Adensen und schämte mich für meine Voreingenommenheit. Als ich das Schulhaus betrat, wurde ich sofort von Kindern mit Fragen bestürmt. Freudiges Lärmen, viele bunte Bilder und Fotos, knarrende Holztreppen und verwinkelte Etagen – eine Schulwelt mit viel Nähe und Atmosphäre – jenseits der großräumigen Schulbauten aus Waschbeton.
Frau Lilje, die Schulleiterin erwartete mich bereits in ihrem Dienstzimmer. Ich merkte sofort: Hier war ich richtig. Frau Lilje bereitete mich darauf vor, dass gleich eine Begegnung mit dem gesamten Kollegium stattfinden würde – zum Kennenlernen und zur Planung der Zusammenarbeit. Frau Lilje und ich verstanden uns von Anfang an mit offensichtlich gemeinsamen Wertvorstellungen und pädagogischen Leitideen und hatten Lust auf eine Zusammenarbeit. Das setzte sich in der anschließenden Begegnung mit dem Kollegium fort. Die Kolleg*innen sprachen warm und zugewandt von ihren Schüler*innen und stellten selbstkritisch Fragen an die eigene Praxis in der Erwartung wirksamer Beratung von außen.
Das Ergebnis unserer Erstbegegnung in dieser Planungssitzung war die Festlegung der Themen und Inhalte, die für das Kollegium in der nächsten Zeit Vorrang haben würden. Auch unsere Rollen- und Aufgabenverteilung wurde geklärt: Schulleitung und Kollegium gemeinsam mit Schulbegleitungen und einer Vertreterin des Fördervereins sind für ihren Entwicklungsprozess verantwortlich. Als Berater/Fortbildner bin ich verantwortlich für professionelle Handlungskonzepte und Prozessgestaltung; gemeinsam sind wir für die Ergebnisse verantwortlich. Zentrale Themen der Fortbildung/Schulberatung sollten in den nächsten Monaten sein:

  • Erarbeitung eines Schulleitbildes mit den pädagogischen Grundwerten, für die diese Schule einsteht.
  • Zieldifferenzierter und individualisierter Unterricht
  • Schüleraktivierende Unterrichtsmethoden
  • Zusammenarbeit mit den Eltern: Wertschätzende, erfolgreiche Kommunikation und
  • Beratung sowie Konfliktgespräche
  • „Kollegiale pädagogische Diagnostik und kooperative Förderplanung“
  • Formative/begleitende Evaluation/Auswertung der Fortbildungsarbeit

Im Anschluss an diese Themenschwerpunkte sollte zu gegebener Zeit gemeinsam über die nächsten Themen und Schritte nachgedacht und entschieden sowie die „Initiative Neues Lernen“ nach Absprache beteiligt werden.  Mit diesem Auftakt sind wir gestartet:

Schulleiterin Susanne Lilje und Schulberater Botho Priebe im Gespräch:

Frau Lilje: Wir waren nach Ihrem ersten Besuch bei uns und mit Blick auf die gemeinsame Planung doch ziemlich zuversichtlich, dass uns dieses Fortbildungsangebot der SchiLf Akademie, also Ihre Beratung und Begleitung, bei unseren Inklusionsaufgaben weiterhelfen kann. Klar war uns aber auch, dass das damit Arbeit verbunden sein würde und nicht nur „Wellness“.

Herr Priebe: Ich habe diese kollegiale Aufgeschlossenheit und Erwartung Ihres Kollegiums von Anfang an wahrgenommen. Zugleich war auch mir klar, dass es hier nicht allein um „Schulwellness“ und die Vertiefung des guten Schulklimas, der kollegialen Kommunikation und Zusammenarbeit gehen kann, sondern weitergehend um die gemeinsame Umsetzung der vereinbarten Innovationen. Und das erfordert neben dem Verständnis dieser neuen Elemente von inklusiver Schulkultur und inklusivem Unterricht auch deren Alltagstauglichkeit, sie müssen sich unter den schulalltäglichen Belastungen der Kolleginnen also als hilfreich und erfolgreich erweisen.

Frau Lilje: Ja, genau. Vieles kennen wir ja, ohne dass wir das im Schulalltag auch immer realisieren können. Beratungsgespräche mit Eltern führen wir ständig, Förderpläne erstellen wir ebenfalls und immer mit ziemlichem Aufwand, im Unterricht wird die Heterogenität unserer Schüler*innen nach Kräften berücksichtigt, und natürlich bemühen wir uns um die Aktivierung der Kinder im Unterricht. Eigentlich haben wir mit Ihnen Fortbildungsthemen vereinbart, die überhaupt nicht völlig neu für uns sind, die wir aber vor allem für eine tatsächlich wirksame und auch leistbare Praxis vertiefen möchten. Und hoffentlich lernen wir dabei auch etwas Neues.

Herr Priebe: Angefangen haben wir mit der Erarbeitung eines Schulleitbilds. Wie haben Sie diesen Start und die Weiterarbeit an den vereinbarten Themen erlebt und was glauben Sie, wie Ihr Kollegium diesen Prozess bis heute erlebt?

Frau Lilje: Für mich war es zunächst einmal eine große Erleichterung, dass wir das gesamte „Fortbildungspaket“, das uns bereits längere Zeit auf dem Herzen lag, durch die SchiLf Akademie über Sie, Herr Priebe, aus einer Hand erhalten haben. So konnten wir in einen wirklichen Prozess einsteigen und haben nicht nur einzelne Module „abgearbeitet“. Alle Fortbildungseinheiten sind für das gesamte Kollegium – Schulbegleitungen, Mittagsbetreuung, unsere drei Freiwilligen, Praktikantin – offen gewesen. Uns ist es wichtig, dass wir für die tägliche Praxis auf eine vereinbarte Haltung zurückgreifen können, die wir im Umgang mit den Kindern „leben“ und dass wir dabei über eine grundlegende gemeinsame theoretische Basis verfügen. Die Arbeit am Schulleitbild hat allen einen guten inhaltlichen Einstieg geboten und uns aufgezeigt, dass wir bereits eine große Übereinstimmung bezüglich unserer Ideale und Werte hatten. Dies hat unseren Zusammenhalt gestärkt und zu einer großen Motivation für die Weiterarbeit geführt. Daran wird deutlich, dass eine Arbeit mit Kopf, Herz und Hand für Erwachsene und Kinder gleichermaßen zu einem fröhlichen und wirksamen Alltag miteinander führt! In den Fortbildungseinheiten haben wir Vereinbarungen für die Praxis getroffen, die für uns trotz alltäglicher Belastung umsetzbar waren. So haben wir den Projekttag „Schreiben“ in der Fortbildung mit Ihnen entwickelt. Es wurden alle nötigen Kompetenzstufen zu diesem Thema erarbeitet und die dazugehörigen Inhalte benannt. Diese Inhalte haben wir umgesetzt und bereits entschieden, dass dieser Projekttag in Zukunft in jedem Schuljahr zweimal durchgeführt werden wird. Die Verzahnung der Fortbildungseinheiten mit dem Alltag, der Austausch in der folgenden Fortbildungseinheit über die gesammelten Erfahrungen sowie die Anpassung der Inhalte an die Gegebenheiten in unserer Schule haben dazu geführt, dass sich die gemeinsame Arbeit mit Ihnen in unserem Schulalltag auch wiederfindet. Mit besonderer Freude und auch mit Stolz haben wir einen Anruf der Deutschen Schulpreis Akademie entgegengenommen. Es wurde mir nahegelegt und Mut gemacht, uns für den Deutschen Schulpreis zu bewerben. Uns ist klar, dass wir mit einer Bewerbung die Qualität unserer Arbeit in jedem Falle verbessern würden und wir können uns vorstellen, dass wir in im Jahr 2021 eine Bewerbung angehen möchten.

Herr Priebe: Ja. Über diese Einladung können Sie sich wirklich alle freuen und stolz darauf sein. Es hat sich wohl sicher ein wenig herumgesprochen, dass in dem Dörfchen Adensen eine nicht ganz alltägliche Grundschule zu finden ist, die mit all ihren Schüler*innen vertrauensvoll, lernend und liebenswert zugewandt umgeht. So, liebe Frau Lilje, habe ich Sie und Ihr Kollegium von Anfang an erlebt. Mit Selbstverständlichkeit kümmern Sie sich engagiert um die pädagogischen Ansprüche, die an Sie wie an jede andere Schule gestellt werden: Inklusion, Diagnostik und individuelle Förderung, Motivation, Schüler*innenorientierung, guter und erfolgreicher Unterricht sowie weitere Entwicklungsvorhaben. Das beeindruckt mich! Und beeindruckt hat mich dabei vor allem, dass Ihr Schulleitbild mit seinen grundlegenden Werten im Schulalltag lebendig zu finden ist. Wie Ihre Kolleg*innen Kollegen miteinander umgehen und sich dabei auch Konflikten stellen, die wohl zu jeder „guten Schule“ gehören, wie die Kinder miteinander und Sie mit den Kindern umgehen und dass dabei gelernt und gelacht wird, das nimmt mich sehr für Ihre Schule ein. Wäre ich noch ein junger Lehrer, würde ich gern bei Ihnen „einsteigen“. Für mich als Ihrem Berater und Fortbildner ist wieder einmal deutlich, wie wichtig eine mittel- oder sogar längerfristige Zusammenarbeit ist. „One-Shot-Fortbildungen“ ergeben Sinn, wenn es um Information und Orientierung über neue Entwicklungen geht, aber veränderte Haltungen, neue Kompetenzen sowie Erprobung und Einübung schulalltagsfähiger Handlungskonzepte lassen sich eigentlich nur in einem größeren Zeithorizont erreichen. Dabei sind Sie, Schulleitung und Kollegium, die verantwortlichen Hauptakteure; mein Part ist Ihre Begleitung, Beratung und die Einführung und Reflexion wirksamer Konzepte für Schule und Unterricht, ggf. auch Krisenintervention, denn Innovationen können auch anstrengend und sogar konflikthaft sein. Gehen Sie einmal auf die SchiLf Akademie zu, unter deren Dach ich Sie bei Ihrer Bewerbung für den Deutschen Schulpreis gern begleite, wir finden einen Weg, da bin ich ganz sicher.

Susanne Lilje, Leiterin der CJD Grundschule Adensen-Hallerburg
Botho Priebe, Direktor a. D. des IFB Rheinland-Pfalz, Fortbildner, Berater, Publizist